Viele Veganer und Veganerinnen wissen, dass sie im Alltag immer wieder mit den unterschiedlichsten Vorurteilen konfrontiert werden. 

Oftmals ist es der Tatsache, dass mit dem Veganismus derart viele Fragen verbunden sein können, geschuldet, dass so viele Fehlinformationen zum Thema kursieren. Umso wichtiger ist es jedoch, Fragen zu beantworten und Vorurteile – soweit möglich – abzubauen. Im Idealfall bleiben alle Beteiligten sachlich und schaffen es so, sich auszutauschen… und vielleicht auch, etwas dazuzulernen. 

Die folgenden fünf Vorurteile gegen die vegane Lebensweise sind besonders weitverbreitet. In den entsprechenden Abschnitten wird auch darauf eingegangen, wie viel Wahrheit vielleicht in den jeweiligen Ansichten steckt und wie es möglich ist, bei Bedarf zu kontern. 

(Achtung! Wer sich unsicher ist, ob eine vegane Ernährungsweise die richtige Entscheidung ist, weil beispielsweise Vorerkrankungen, eine Schwangerschaft oder ähnliches vorliegen, sollte unbedingt Rücksprache mit seinem Arzt halten. Auch ein regelmäßiger Check der Blutwerte ist unerlässlich, um alles im Auge zu behalten. Ein solcher Check-Up ist jedoch nicht nur für Veganer sinnvoll!)

Vorurteil Nr. 1: Es ist teuer, sich vegan zu ernähren

Leider sind immer noch viele Menschen der Meinung, beim Veganismus handele es sich um eine Art „Schicki-Micki“-Trend, den sich „nur die ganz Reichen“ leisten können. Genau das ist jedoch falsch. Denn: Jede Art von Ernährung kann teuer sein. Es kommt immer darauf an, welche Produkte genau konsumiert werden. Dies gilt auch für den Veganismus. Absolute Klassiker, die im Leben vieler Veganer eine wichtige Rolle in der Küche spielen, sind unter anderem:

  • Kartoffeln
  • Reis
  • Nudeln
  • Gemüse (gerne regional) 
  • Tofu
  • Obst.

Schnell zeigt sich: Die Preise für diese Nahrungsmittel halten sich meist – abgesehen von ein paar „Ausreißern“ durchaus im Rahmen. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch möglich, vegan UND teuer einzukaufen. Dies gilt vor allem dann, wenn die Wahl auf etwas „exotischere“ Produkte, wie zum Beispiel Jackfruit oder Superfoods fällt. Auch viele Fleischersatzprodukte sind nicht gerade günstig. Es wäre jedoch definitiv falsch, die vegane Ernährung per se als „teuer“ zu bezeichnen. Wie so oft lohnt es sich, beim Einkaufen auf Angebote zu achten und vor allem regionale Speisen zu berücksichtigen. 

Vorurteil Nr. 2: Alle Veganer leiden unter Eiweißmangel

Hierbei handelt es sich um eine klare Fehlinformation. Dennoch ist es natürlich auch als vegan lebender Mensch wichtig, ausreichend Eiweiß zu sich zu nehmen. Aber: Woher kommt dieses dann eigentlich? Immerhin sind doch klassische Quellen, wie zum Beispiel Fisch und Fleisch nicht im Ernährungsplan enthalten?!

Zunächst gilt es, festzuhalten, dass der menschliche Körper nicht so viel Eiweiß braucht, wie oft von vielen angenommen wird. Oder anders: 0,8 Gramm pro Tag und pro Kilogramm Körpergewicht sind absolut ausreichend. 

Gute vegane Eiweißquellen sind unter anderem: 

  • Seitan
  • Rote Linsen
  • Tofu
  • Reis
  • Bohnen
  • Mais
  • Kartoffeln. 

Leider ist der menschliche Körper jedoch nicht dazu in der Lage, pflanzliches Eiweiß genauso gut zu verwerten, wie tierisches. Daher ist es wichtig, hier ein wenig genauer hinzuschauen. Viele Veganer sind sich dessen jedoch durchaus bewusst und legen gerade deswegen so viel Wert auf eine abwechslungsreiche Ernährung. Unter anderem kann auch ein Blick auf eine vegane Ernährungstabelle weiterhelfen. 

Vorurteil Nr. 3: Veganer müssen Unmengen an Nahrungsergänzungsmitteln zu sich nehmen

Eines der hartnäckigsten Vorurteile überhaupt! Viele Menschen sind der Meinung, dass vegan lebende Menschen unzählige Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen müssen, um überhaupt nur ansatzweise gesund leben zu können. 

Genau das stimmt jedoch nicht. Fest steht: Wer Wert auf eine abwechslungsreiche (!) rein pflanzliche Ernährung legt, fügt seinem Körper so gut wie alles zu, was dieser braucht – abgesehen von einer Ausnahme: Vitamin B12. Dieses Vitamin muss bei einer rein pflanzlichen Ernährung immer supplementiert werden, da es in veganen Lebensmitteln schlicht nicht in ausreichender Menge vorhanden ist. 

Ansonsten kann ein Mix aus Gemüse und Obst, Samen, Ölen, Nüssen, Getreide und Hülsenfrüchten dafür sorgen, dass der Körper mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt wird. 

Vorurteil Nr. 4: Veganer essen immer dasselbe

Auch hierbei handelt es sich um ein Vorurteil, das eigentlich nur von Menschen vertreten werden kann, die sich noch nie eingehender mit der veganen Ernährungsweise auseinandergesetzt haben. Denn: Es muss nicht immer nur Fleischersatz und Gemüse sein! Die vegane Welt ist im wahrsten Sinne des Wortes bunt und weitaus vielseitiger, als es im ersten Moment den Anschein haben mag. 

Es gibt sogar einige Fertigprodukte, die „von Haus aus“ vegan sind und dementsprechend überraschen. Ansonsten lassen sich auch viele Nahrungsmittel einfach austauschen. Wie wäre es zum Beispiel mit Hafermilch im Kaffee? Oder mit einer Pizza ohne Käse, dafür aber mit extra viel Tomatensauce? Oder mit einem Kuchen, der nicht mit Ei, sondern mit Apfelmus gebacken wurde? Die Möglichkeiten sind vielseitig und bieten ab und an sogar vollkommen neue Geschmackserlebnisse. 

Unter anderem haben mittlerweile auch die Supermärkte auf das gesteigerte Interesse am Veganismus reagiert und viele Ersatzprodukte, gerade aus der Kategorie „Fleisch“, aufgenommen. 

Und auch in Restaurants müssen viele Veganer keine Kompromisse eingehen. Gute Anlaufstellen für rein pflanzliche Gerichte sind unter anderem italienische und asiatische Angebote. In den meisten Fällen sind kleinere Veränderungen auf Zuruf („Bitte das Ei weglassen!“) problemlos möglich. Diejenigen, die auf Nummer Sicher gehen möchten, können sich natürlich im Vorfeld telefonisch erkundigen oder von Vornherein ein veganes Restaurant aufsuchen. 

Vorurteil Nr. 5: Alle Veganer sind schwach und sehen ungesund aus

Ein Blick auf die Realität sagt etwas anderes. Viele Sportler ernähren sich in der heutigen Zeit vegan. Und hier wäre es extrem ungünstig, wenn Einbußen mit Hinblick auf Kraft und Leistungsfähigkeit hingenommen werden müssten. 

Hinzu kommt, dass es auch durchaus etliche Veganer gibt, die „beide Seiten“ kennen und immer wieder betonen, sich seit ihrer Ernährungsumstellung gesünder und stärker zu fühlen. 

Zusatztipp: Wer sportlich unterwegs ist, sollte sich unter anderem auf die Suche nach pflanzlichen Eiweißquellen machen. Diese können auch wunderbar dabei helfen, Muskeln aufzubauen. 

Fazit

Die vegane Ernährung ist auf dem Vormarsch. Immer mehr Menschen entscheiden sich – auch in Deutschland – dazu, auf tierische Produkte zu verzichten. Damit sich die Fronten zwischen „Pflanzenfressern“ und „Fleischfressern“ jedoch in Zukunft nicht noch mehr verhärten, braucht es vor allem eines: Einen Austausch, bei dem einer dem anderen zuhört. 

Das „Missionieren“, das vor allem den vegan lebenden Menschen immer wieder vorgeworfen wird und das Sich-Lustig-Machen auf der anderen Seite, bringt im Zuge der allgemeinen Diskussion nicht wirklich weiter. 

Vielmehr gilt: Wer miteinander redet, bleibt im Austausch und nimmt sich zumindest Zeit, sich auch mit der Meinung des Anderen zu beschäftigen – auch, wenn diese nicht geteilt wird.